Als umtriebiger Mensch der auch im privaten stets Beschäftigung braucht, kommt man nicht drumherum die Erfahrung zu machen, dass es Projekte gibt, die man in seltenen Fällen nicht zuende machen kann.
Für viele ist das sicherlich eine frustrierende Erfahrung und das ist es manchmal auch für mich. Ich tendiere Projekte NUR fallen zu lassen, wenn absolut nichts zu machen ist.
- Die eigenen Fähigkeiten es nicht zulassen
- Die Ressourcen es nicht zulassen
- Man das Material aus dummem Zufall versaut hat und absolut gar nichts mehr zu retten ist
Projekte fallen zu lassen ist menschlich. Frustrierend. Wenn man aber nach einiger Zeit darauf zurückblickt ist ein Fallenlassen nicht mehr so frustrierend, da man betrachten kann was man gewonnen hat in dem Projekt.
- Fähigkeiten
- Wissen über Frameworks, Physik oder Hardware
- Gesteigerte Frustrationstoleranz
- Ausdauer
- Geistige Beschäftigung
- etc…
Ein fallen gelassenes Projekt bietet IMMER auch die Möglichkeit wieder aufgenommen zu werden und sollte eher die Möglichkeit zur Reflexion sein, ja schon fast der Einkehr um auch ein wenig über sich, die eigenen Mechanismen was Frust angeht und die Dinge zu betrachten die zum Fallenlassen geführt haben.
Und trotzdem fühlt es sich erst mal wie eine Niederlage an. Und das obwohl man ein Projekt ja in erster Linie für sich selbst tut und keinerlei Zwang der Rechtfertigung irgendwem gegenüber hat. Doch genau hier steckt auch die Krux:
Die Rechtfertigung sich selbst gegenüber. Das sich eingestehen bei etwas ein Stück weit gescheitert zu sein. In diesem Moment stehen eben nicht die gewonnenen Dinge im Rampenlicht.
Mit der Zeit aber legt sich das Gefühl der Niederlage und in der Retrospektive rückt das gewonnene in den Hintergrund.
Mein letztes fallen gelassene Projekt war ein DVD-Player der irgendwie den Geist aufgegeben hatte. Das Display allerdings funktionierte noch, sodass ich daraus eine mobile Spielstation mit einem Raspberry als Herz bauen wollte.

Es stellte sich aber heraus dass es keine Adapter für das Display gab.
Also beschloss ich, die Kommunikation zwischen der Hauptplatine und dem Bildschirm zu verfolgen und nachzustellen auf dem Raspberry.
Als ersten Schritt stellte ich das ursprüngliche Gerät wieder her. Ich besorgte mir einen Logic Analyzer und zeichnete die Kommunikation zwischen Motherboard und Display auf. Ich lernte wie solche Kommunikation funktionierte, wie Geräte mit I2C kommunizieren und Daten übertragen werden, welche Muster es gibt und was Befehle sein könnten. Zwischendurch gab es natürlich immer wieder etwas zu löten.

Letztendlich schaffte ich es nicht, meinen Raspberry an dem Display zu betreiben und ich gab nach einer langen Weile sehr frustriert auf. Aber das Gefühl das Gerät endlich beiseite zu legen und was neues anzufangen war so gut!
Endlich freie Bahn zu haben für ein neues Projekt in dem Wissen dass man wirklich, wirklich alles versucht hat.
Wenn man in dem Moment ein Projekt aufgibt und um das weiß was man gelernt hat, ist es zumindest für mich in Ordnung.
Ein Projekt aufgeben sollte nicht aus Langeweile oder Faulheit geschehen, sondern um Fortschritt mitzunehmen den man gemacht und Lust zu bekommen weiterzumachen… mit was anderem 😉




